Vorläufiges Fazit
Transurbanes Experimental-Labor • Alter Markt Wuppertal-Barmen
Exposé dok.B .01.06
Nachfolgend ziehen wir ein erstes Fazit unserer vorläufigen Objektbeurteilung zum nördlichen Fussgängertunnels am Alten Markt in Wuppertal-Barmen als einem möglichen Standort für ein transurbanes Experimental-Labor.
Eine Wiederbelebung der Tunnelanlage Alter Markt in Barmen als Experimental-Labor, stellt aufgrund der Lage abseits des derzeitigen urbanen Zentrums und wegen ihrer Dimensionen eine grosse Herausforderung dar, nicht nur, was Planungs- und Vorbereitungszeiten, oder die Höhe nötiger Vorabinvestitionen angeht, sondern besonders auch, was später einen dauerhaft finanzierbaren Betrieb betrifft.
Nicht nur die Stadt(-teil)bewohner als Zielgruppe müssen vom Angebot eines Experimental-Labors so angesprochen werden, dass sie zukünftig Teile ihrer Freizeit in einem anderen Stadtteil verbringen als bislang gewohnt, auch mögliche kommerzielle Partner, die den kulturellen Zweck eines Experimental-Labors letztlich über ihre Umsätze refinanzieren sollen, müssen von einer Umsetzbarkeit des Konzeptes und der Realisierung betrieblicher Vorgaben überzeugt werden. Programmplanung und das refinanzierende kommerzielle Konzept müssen überzeugend zusammengeführt werden, um dadurch jene Synergieeffekte zu erzeugen, mit denen anfangs wahrscheinlich auftretende Nachteile des Standortes erfolgreich kompensiert werden können.
Gleichzeitig bietet die unterirdische Anlage am Alten Markt jedoch Chancen und Möglichkeiten in einem Mass, dass die geschilderten Probleme dagegen in den Hintergrund treten. Die sich in der stillgelegten Fussgängerpassage eröffnenden neuen Möglichkeiten, Aktionsräume für verschiendste kulturelle und soziale Initiativen zu schaffen, erscheinen unbegrenzt. Von Konzerten über Kunst-Ausstellungen, von Literatur-Lesungen und Performances, über Kooperationen mit den benachbarten Wuppertaler Bühnen, von thematischen Filmabenden und Kunst -Festivals bis hin zu Labelpräsentationen und Flohmärkten mit kunsthandwerklichem Schwerpunkt in den früheren Läden der alten Passage, sind alle Formen von kultureller Aktivität im beurteilten Objekt vorstellbar.
Ausreichende Spielräume sehen wir auch für eine - kulturelle und soziale Ziele refinanzierende - kommerzielle Verwendung des Objektes. In einigen Metropolen wie Berlin, London oder Paris finden Kultur-, Kunst- und Party-Veranstaltungen bereits erfolgreich in ähnlichen Objekten statt und setzen von dort aus internationale Trends. Nirgendwo findet sich jedoch ein, der Anlage am Alten Markt in Wuppertal-Barmen vergleichbares Ambiente, in dem - u.U. sogar zeitgleich - Nutzungen zwischen transurbaner Stassenparty und stiller, intimer Keller-Lounge -Veranstaltung möglich, und derart vielfältige atmosphärische Stimmungen herstellbar sind.
Mit der Etablierung zeitgenössischer Programme im nördlichen Fussgängertunnel am Alten Markt, kann ein über das direkte regionale Umfeld hinauswirkendes sozio-kulturelles, wie auch kommerzielles Angebot geschaffen werden, das nachhaltigen Einfluss auf die Wahrnehmung Wuppertals als Standort nehmen könnte. Rechtzeitig zu den, in benachbarten Kommunen des Ruhrgebiets stattfindenden Programmen des Kulturhauptstadt -Jahres 2010, würde Wuppertal mit dem Experimental-Labor am Alten Markt über einen besonderen Ort verfügen, an dem ergänzende Kultur-Angebote realisiert werden, und könnte so sein eigenes kulturelles und soziales Profil schärfen. Als ideeller Träger einer städtischen “Guerilla-Marketing-Strategie” zum Kulturhauptstadt-Jahr könnte ein transurbanes Experimental -Labor in Wuppertal-Barmen das Image der Stadt kulturell neu akzentuieren. Durch eine entsprechende mediale Begleitung würde es der Stadt möglich, partiell von der zu erwartenden Aufmerksamkeit für die Gesamtregion zu profitieren und ihr eher negativ besetztes Bild auch überregional neu zu justieren.
Abschliessend: Können vorhandene Risiken und Kosten in ein angemessenes Verhältnis zu neu entstehenden Chancen und möglichen gesellschaftlichen Gewinnen gesetzt werden, kann ein Experimental-Labor im Fussgängertunnel am Alten Markt bedeutende Akzente für eine schrumpfende Stadt Wuppertal setzen, und speziell in einem Stadtteil Barmen, der an Vitalität verliert, zu einer notwendigen Trendwende beitragen.